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14.09.2021

Beziehungswärme

Die Frau hat kalt und der Mann hat warm. Ist an diesem Gerücht was dran? Finden Sie es in diesem Artikel heraus.

Ehemann, Birr

Roland Gloor

Ich mag es gern frisch. Schon immer. Als ich meine Frau kennenlernte, hatte ich genau einen Pulli. Und auch nur, weil ich den von meiner Ex-Freundin geschenkt bekommen hatte. Aber das war gut, denn ich konnte ihn meiner heutigen Frau ausleihen, da sie ja immer friert. Das gab gleich Punkte. Der Pulli verschwand aber rasch. Vielleicht, weil er doch nicht warmgenug hielt, vielleicht, weil er eben von der Ex war. Egal. Ich habe mir seither keinen Pulli mehr gekauft. Am liebsten trage ich T-Shirts, auch im Winter. Ich gebe aber zu: In den letzten Jahren habe ich auch schon mal eine leichte Jacke über das T-Shirt gezogen. Vielleicht das Alter. Vielleicht meine Frau. Im Winter herrscht in unserem Haus normale Zimmertemperatur, was für mich oberste Grenze ist, aber für meine Frau ist das oft zu kalt. Deshalb haben wir einen Schwedenofen. Den heize ich für sie ein. Ein Schwedenofen wird schnell warm, und zwar sehr schnell sehr warm. Da sind wir dann rasch bei 30 Grad. Dann muss ich ein Fenster aufreissen. Und wenn das nicht reicht, gehe ich auf die Veranda, um mich abzukühlen. Ehrlich, unser Haus würde ich vermutlich überhaupt nicht heizen, wenn ich allein wäre. Herausfordernd ist es im Auto, schon im Spätsommer schaltet sie die Sitzheizung ein und lässt das Heissluftgebläse auf Hochtouren laufen. Ich sitze daneben und lasse zwischendurch die Scheibe runter. Aber wir lieben uns, man arrangiert sich deshalb, wir diskutieren, suchen Kompromisse – oder sie heizt einfach los …ibb-anschluss-juni-2021-1t2m-bild

 

Ehefrau, Birr

Barbara Gloor

Wenn wir auf einen Weihnachtsmarkt gehen, sage ich zu meinem Mann: «Bitte zieh mir zuliebe eine Jacke an.» Denn die Blicke auf ihn mit seinem Kurzarm- T-Shirt sind mir manchmal etwas peinlich. Aber es gibt Hoffnung, seit Kurzem besitzt er nämlich eine Windjacke, seine erste, eine ganz leichte. Zu Beginn unserer Beziehung hatte er sogar einen Pulli, aber der ist weg. Er sagt, ich hätte ihn verloren, aber ehrlich gesagt, war der eigentlich ganz schön, den hätte ich behalten. Ja. Ich bin empfindlich, was Temperaturen betrifft. Im Winter friere ichschnell, im Sommer zerfliesse ich. Am liebsten habe ich schöne Frühlingstage, da passt es. Er hingegen friert nie. Deshalb haben wir den Schwedenofen. Wird mir nämlich kalt, merkt er das und brummt: «Soll ich anfeuern?» Ich höre jeweils heraus, dass er das zwar total unnötig findet, aber für mich heizt er trotzdem ein. Feuer machen liebt er, und mir wird dabei schön warm. Meistflüchtet er dann in seinen kurzen Hosen und im T-Shirt auf den Sitzplatz, während ich die wohlige Wärme geniesse. Im Gegenzug halte ich es auch aus, dass er in warmen Sommernächten den Ventilator im Schlafzimmer laufen lässt. Aus Rücksicht auf mich zwar nicht auf vollen Touren, aber das Ding macht trotzdem Lärm. Ich glaube, er schläft dann schlecht, weil er es gern noch kühler hätte, und ich schlafe auch schlecht, weil der Ventilator surrt und es doch etwas zu kühl ist. Also sind wir am nächsten Morgen beide aus lauter Rücksicht nicht besonders ausgeschlafen. Aber das ist wahre Liebe, nicht wahr?